„Das Breitbandprojekt erhält sein Herzstück“

Glasfasern kommen in die Leerrohre

Ein gutes halbes Jahr nach Beginn der ersten Bauarbeiten im Rahmen des Breitbandprojekts des Landkreises Diepholz kommt die erste Glasfaser in die Leerrohre. Axel Knoerig, Mitglied des Deutschen Bundestages, Bassums Bürgermeister Christian Porsch, Landrat Cord Bockhop und nordischnet-Projektleiterin Claudia Pelzl machten sich am Dienstag in Bassum selbst ein Bild davon, wie Deutschlands größtes Breitbandprojekt zu seiner Lebensader kommt.

„Der Landkreis Diepholz investiert zusammen mit seinen kreisangehörigen Städten, Samtgemeinden und Gemeinden massiv in den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Allein vom Bund wird der Breitbandausbau im Kreisgebiet mit über 30 Millionen Euro gefördert. Weitere Mittel werden von EU und Land zur Verfügung gestellt“, so Bundestagsmitglied Axel Knoerig. „Doch der Glasfaserausbau im Landkreis Diepholz ist nicht nur aufgrund seines finanziellen Volumens und seiner Größe ein Leuchtturmprojekt, sondern vor allem weil er langfristig die Versorgung im ländlichen Raum sichert. Die Geschwindigkeit und der Tatendrang, mit denen dieses Vorhaben wächst, sind bemerkenswert. Ein flächendeckendes Gigabit-Netz ist heute keine Zukunftsvision mehr. Ab jetzt erhält das Breitbandprojekt sein Herzstück.“

Beim sogenannten Einblasen der Glasfaser handelt es sich um ein spezielles Verfahren zur „nachträglichen“ Verlegung von Lichtwellenleiter-Kabel (LWL-Kabel). Dafür werden im ersten Schritt Leerrohre bzw. Speedpipes unter die Erde gebracht. Diese Speedpipes werden in einem Verband verlegt, sodass mehrere durch einen Außenmantel miteinander verbunden sind. Mit Hilfe von Druckluft wird das LWL-Kabel in die Speedpipes eingeblasen. Auf diesem Luftpolster kann das LWL-Kabel mehrere Kilometer durch das Rohr schweben. Eine Kabellinie startet an einem Hauptverteiler, dem Point of Presence (PoP). Von dort können mehrere Kabel in die verschiedenen Orte verteilt werden. Um längere Strecken zu überwinden oder Abzweigungen zu schaffen, werden die Kabelenden in Schächten mit einem speziellen Spleißgerät einzeln verbunden. In den einzelnen Straßen bzw. kleinen Siedlungen werden dann graue Kästen, Röhrchenverteiler (RVt), aufgestellt. Dort endet das jeweilige Hauptkabel. Vom RVt bis in die einzelnen Häuser liegen dann wieder Speedpipes – in diese wird vom RVt aus für jedes Haus ein eigenes Kabel eingeblasen. Ein Vorteil dieser nachträglichen Verlegemethode ist, dass defekte oder alte Kabel ohne Tiefbauaufwand ausgetauscht werden können und somit deutlich an Geld und Zeit gespart werden kann.

„Während im ersten Schritt, dem Verlegen der Lehrrohre, jeder Meter aufwendig erarbeitet werden muss, geht das Einblasen der Glasfaser im wahrsten Sinne des Wortes ganz leicht mit Druckluft“, erklärt Landrat Cord Bockhop. „Auch wenn das Verlegen der Glasfaser mit deutlich weniger Anstrengungen verbunden ist, stellt dieses für den Breitbandausbau einen wichtigen Meilenstein dar. Wenn erst einmal Licht auf der Leitung ist, verspricht die Glasfaser bis ins Haus – anders als bei anderen Verbindungen wie DSL, VDSL oder Vectoring, die auf Kupferkabel aufbauen – keine Verluste mehr in der Internetgeschwindigkeit. Lichtgeschwindigkeit bleibt Lichtgeschwindigkeit.“

Etwas Zeit wird bis dahin noch vergehen. Bis die Glasfaserleitungen miteinander verbunden werden können, müssen zunächst noch weitere Tiefbauarbeiten und die Fertigstellung von Koppelpunkten erfolgen. Auch daran wird in Bassum gearbeitet. „Im nördlichen Teil der Stadt sind die Tiefbauarbeiten bereits abgeschlossen, die Glasfaser wird bereits eingeblasen“, so Christian Porsch, Bürgermeister der Stadt Bassum. „Im südlichen Teil sind die Baumaßnahmen vor ein paar Tagen gestartet. Schon jetzt wird deutlich, dass die ausführenden Baufirmen hier wieder mit enormer Geschwindigkeit und Tatendrang am Werk sind. Die digitale Zukunft ist im Landkreis Diepholz in greifbarer Nähe.“